Zum Thema: Herbst in Skandinavien • Hamburg, 07.08.2018

Der skandinavische Herbst – ein (Natur-)spektakel

Café Linnunlaulu, Helsinki, Finnland, Foto: Carmen Nguyen, mediabank.businessfinland.fi

Noch ein paar Wochen, dann beginnt der Herbst. Am 23. September startet die Nordhalbkugel in die Übergangszeit vom warmen, sonnigen Sommer hin zu einem – in Skandinavien meist extremen – kalten Winter. Doch bis es so weit ist, tauchen Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland in ein Meer aus prächtigen Farben und feiern mit verschiedensten Festen den Beginn der neuen Jahreszeit. Außerdem lädt der Herbst zu vielfältigen Outdoor-Aktivitäten inmitten der faszinierenden Natur Skandinaviens ein.

Dass die Bäume ihr Gewand in bunte Farben tauchen, kennen wir auch hier bei uns. Doch in Skandinavien ist dieser „Kleiderwechsel“ der Natur ein wahres Schauspiel. Vor allem die finnischen Wälder gleichen einem Postkartenmotiv. Kein Wunder, dass die Finnen für diese Farbexplosionen einen eigenen Namen haben: Ruska. Die Ruska-Saison dauert etwa zwei Wochen und liegt meist in der zweiten September-Hälfte. Vor allem Lappland, die nördlichste Region Finnlands, punktet aufgrund des großen Wildnisgebiets mit besonders intensiven Farben. Dort beginnt die Herbstfärbung oft schon Ende August, Anfang September. Doch nicht nur die Farbpalette Finnlands ist ein Bote des Herbstes, auch die vielen schmackhaften Geschenke der Natur sind in dieser Zeit reif. Hier leuchten Heidel-, Preisel- und Moltebeeren um die Wette, die dank des Jedermannsrechts von jedem Finnen und auch Urlauber des Landes gesammelt werden dürfen. Doch neben dem, was sich in Finnlands Wäldern finden lässt, gibt es im Herbst eine weitere Spezialität: Krebse. Das finnische Krebsfest hat eine weitreichende Tradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht und ihren Ursprung beim schwedischen Nachbarn hat. Die Krebs-Saison beginnt im Juli und endet am letzten Tag des Oktobers. Fröhlich, gesellig und begleitet von jeder Menge Schnaps kommen die Finnen in dieser Zeit zusammen, um das edle Schalentier zu feiern. Satu Oldendorff, Direktorin der Finnischen Seemannsmission in Hamburg weiß um die Bedeutung des schwedischen Ursprungs des Festes: „Mit dem Krebsfest haben wir melancholischen Finnen etwas von der fröhlichen, geselligen Lebensart unserer schwedischen Nachbarn mitbekommen.“

Ein kulinarisches Fest wird im Herbst auch in Schweden gefeiert: das Surströmming Fest. Surströmming ist zwar eine schwedische Delikatesse, doch längst nicht jedermanns Sache. Es handelt sich hierbei um fermentierten – also  verfaulten – Ostseehering, der nach seinem Fang in einer Salzlake gelagert wird und gärt. Zur Nachgärung wird der Fisch in Konservendosen verpackt, die einen starken Überdruck bilden, weshalb das Öffnen der Dosen meist eine heikle Angelegenheit ist. Vor allem in Nordschweden beliebt, im Süden des Landes jedoch eher verschmäht, lässt sich die Geschichte des Surströmming bis ins 15. Jahrhundert verfolgen. Aufgrund mangelnder Kühlmöglichkeiten und wenig Zugang zum kostbaren Gut Salz, wurde auf die weitaus billigere Salzlake zurückgegriffen, um Lebensmittel – zum Beispiel für längere Schiffsreisen – haltbar zu machen. Um diese Art der Konservierung zu würdigen und weiterzuleben, wird heutzutage das Surströmming Fest gefeiert. Martina Axén von der Schwedischen Gustaf-Adolfs-Kirche kommt aus dem südlichen Teil von Schweden und beschreibt ihre Erfahrung mit Surströmming so: „Ich habe einmal ein Surströmming Fest erlebt als ich zu Freunden nach Norrland eingeladen wurde. Das Essen fand im Garten an einem festlich geschmückten Tisch statt. Die Dosen mit dem Surströmming wurden in einem Eimer, unter Wasser, geöffnet, um den starken Geruch zu lindern. Ich habe ihn allerdings trotzdem als sehr intensiv und unangenehm wahrgenommen. Der Surströmming schmeckt aber nicht so schlimm wie er riecht. Im Gegenteil: Auf einem harten Tunnbröd zusammen mit den leckeren Beilagen wie Mandelkartoffeln, fein gehackten roten Zwiebeln, Sauerrahm und Käse fand ich den Surströmming köstlich!“ Zumindest für das eigene Geschichtsbuch ist ein Surströmming-Erlebnis sicher einen Versuch wert.

In Norwegen ist der Herbst sogar ein Gefühl. „Kos“ heißt es und beschreibt die Gemütlichkeit, die entsteht, wenn man in geselliger Runde gemeinsam am warmen Feuer sitzt oder mit einer Tasse heißem Kaffee tolle Gespräche führt während draußen der Jahreszeitenwechsel vonstatten geht. Doch auch das Genießen der umwerfenden norwegischen Natur kann „koselig“ sein. So ist das Land im Herbst prädestiniert für lange Wanderungen oder Angelausflüge – Outdoor-Aktivitäten, die den in Norwegen sehr wichtigen Nachhaltigkeitsgedanken und die lokalen Ökosysteme schützen. Einladende Wanderwege gibt es sogar in der Nähe vieler norwegischer Großstädte wie Oslo, Bergen, Stavanger und Trondheim. Entlang der Fjorde, Wälder und Berge lassen sich beeindruckende Tagestouren zurücklegen. Auch Angeln ist in Norwegen ein beliebtes Outdoor-Erlebnis. Ein guter Fang lässt sich vor allem im Herbst machen, wenn Dorsche, Seelachse und Heilbutte sich an der Meeresküste aufhalten und Lachse und Forellen die Seen bewohnen.

Das wohl derzeit bekannteste skandinavische Wort, das für Gemütlichkeit steht, kommt aus dem Dänischen. „Hygge“ ist mittlerweile zu einem Trend, einer Lebensart geworden. Ein Spaziergang in dicker Jacke an Nord- oder Ostsee, sich den Wind um die Nase pusten lassen, im Café einkehren oder einen Abend vor dem Kamin verbringen – das ist „Hygge“ und gerade im Herbst nicht aus dänischen Gefilden wegzudenken. Und es gibt während des Herbstes in Dänemark noch viel mehr zu erleben. So zum Beispiel das Naturschauspiel „Schwarze Sonne“ an der Nordseeküste von Südjütland. Jedes Jahr aufs Neue versammeln sich im Herbst – und übrigens auch im Frühling – bis zu einer Million Stare über der Marsch und bilden ein unvergleichliches Luftballett bevor sie ihre Schlafplätze im Schilf einnehmen. Ein Naturphänomen, das man gesehen haben muss. Doch was wäre der Herbst in Dänemark ohne ein kulinarisches Highlight? Das begegnet einem in Dänemark in flüssiger Form. Der Oktober ist der Monat der Weinlese. Wird die Weinernte doch meist mit den südlichen Ländern verbunden, bieten die dänischen Anbaugebiete Jütland, Fünen, Seeland und Bornholm ebenfalls eine tolle Alternative, um einmal eine Weinlese mitzuerleben. Das größte Weingut befindet sich auf der Halbinsel Røsnæs. Hier am Großen Belt gehört das Klima mit rund 523 Millimetern Niederschlag und 1.830 Sonnenstunden zu den trockensten des Landes.

 

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